DENKMALSCHUTZ

Historische Luftaufnahmen 1968 – 1984 | © Staatsarchiv Freiburg W 134 | Sammlung Willy Pragher | Stadtwerke Freiburg

Das Landesamt für Denkmalpflege hat die 1964/65 erbaute Freiburger Gaskugel im Dezember 2019 unter Denkmalschutz gestellt. Sie ist nun als Kulturdenkmal gemäß § 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG) anerkannt. Damit ist die Sorge, dass das Wahrzeichen des Freiburger Westens abgerissen werden könnte, zunächst vom Tisch. Offiziell verkündet wurde die Neuigkeit von OB Martin Horn beim Bürgergespräch am 16. Dezember 2019 im Bürgerhaus am Seepark, was ihm spontanen Applaus einbrachte. Mit dem Denkmalschutz ist ein wichtiges Etappenziel erreicht. Bis zu einer „sanften“, denkmalverträglichen Nutzung der Kugel und des dortigen Naturraums, wie sie das vom Arbeitskreis entwickelte Konzept vorsieht, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Wir haben einen entsprechenden Appell an knapp 80 Adressaten aus Politik und Verwaltung sowie an den Betreiber, die bnNETZE und die Badenova, gerichtet. Dr. Roland Weis, Pressesprecher der Badenova, bestätigte: „Wenn die Politik entsprechende Ziele verfolgt und planungsrechtlich möglich macht, ist bnNETZE bereit, Kugel mitsamt Grundstück zu veräußern.“

Mitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege
im Regierungspräsidium Stuttgart

 

Pressestelle | 08.01.2020

Bei dem Hochdruckgasbehälter in Freiburg, Dietenbachstraße 46, handelt es sich um ein Kulturdenkmal gemäß § 2 Denkmalschutzgesetz (DSchG). Sein Erhalt ist aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse.

 

Der Hochdruck-Kugelgasbehälter wurde 1964/1965 in einem Grünstreifen nahe der Dreisam von der Freiburger Energie- und Wasserversorgung (FEW) errichtet. Die Planung erfolgte durch das Unternehmen Pintsch Bamag. Die „Gaskugel" wurde als Reservespeicher benötigt und umschließt einen Hohlraum von 20.000 Kubikmetern, in dem unter Druck bis zu 125.000 Kubikmeter Erdgas gepresst werden können. Dies entspricht einem Verbrauch von ungefähr 100 Haushalten im Jahr. 15 Doppelstützen halten die aus geschweißten Stahlblechen bestehende Kugel. Ihr Gewicht beträgt 585 Tonnen, der Außendurchmesser 33,76 Meter und Höhe etwa 40 Meter. Auf der Kugel sind die Himmelsrichtungen dargestellt. Für diese Gestaltung der Außenhülle wurde in den frühen 1980er Jahren ein Wettbewerb ausgerufen.

 

Mit der Entwicklung von Kugelgasbehältern in der Mitte der 1920er Jahre wurde technikgeschichtlich Neuland beschritten. Neben den bis dahin errichteten Niederdruckgasspeichern stellten Kugelgasbehälter als Hochdruckgasbehälter einen bedeutenden Fortschritt in der Speichertechnik dar. So nimmt eine Kugel bei gleichem Volumen die kleinste Oberfläche ein, wodurch der Materialaufwand minimiert wird. Außerdem kann bei der Kugel bei gleichem Druck auf der kleinsten Grundfläche am meisten Gas gespeichert werden. Aufgrund der höheren Effizienz hinsichtlich der früheren Gasspeicherung entstanden die Gaskugeln in der Nachkriegszeit, in größerer Zahl in den 1960er Jahren für Kommunen und Industriebetriebe, als die Umstellungen von Stadt- auf Erdgas und auf Hochdrucknetze begannen. Anfänglich waren es Nietkonstruktionen, die zu Beginn der 1950er Jahre aufgrund der fortschrittlicheren Schweißtechniken aufgegeben wurden. Für die Konstruktion des Freiburger Kugelgasbehälters wurde die Meridianaufteilung (Zoneneinteilung) gewählt, da man so beim Bau leichter die durch die Horizontalschnitte gegebenen Kreise nachmessen konnte.

 

Der Hochdruck-Kugelgasbehälter in Freiburg, repräsentiert die technologische Stufe der Gasspeicherung zwischen Teleskop- beziehungsweise Scheibengasbehältern und Röhrenspeicher. Gleichzeitig veranschaulicht er die modernere Form der Kugelgasbehälter, die aufgrund weiter entwickelter Schweißtechniken auf genietete Konstruktionen verzichteten. Er ist ein Dokument für die Geschichte der Energieversorgung der Stadt Freiburg in den 1960er Jahren, als man den Schritt vollzog, auf eine eigene Gasproduktion zu verzichten und sich dem Ferngasnetz anzuschließen.
 

Der Hochdruck-Kugelgasbehälter hat Zeugniswert für die Geschichte der Gasversorgung der Stadt Freiburg und allgemein für die Gasversorgung der 1960er Jahre — vielerorts haben die nicht mehr zeitgemäßen Hochdruck-Kugelgasbehälter ausgedient und werden bereits deutschlandweit abgebrochen. Das öffentliche Erhaltungsinteresse besteht zudem wegen seiner Originalität und Integrität, die sich in der guten Überlieferung des ursprünglichen Baubestandes zeigt, der im Laufe der Jahrzehnte sorgfältig instand gehalten wurde, ohne das ursprüngliche konstruktive und formale Konzept zu beeinträchtigen. Formalen Anspruch zeigt der Kugelgasbehälter nicht zuletzt durch die V-förmigen Doppelstützen.

Kreuzungsbauwerk Zubringer Mitte / Paduaallee, Gaskugel | 04.08.1984
Kreuzungsbauwerk Zubringer Mitte / Paduaallee, Gaskugel | 4.08.1984
Gaskugelbehälter und Betriebsgebäude an der Dreisam | 19.09.1968
Gaskugel | 12.11.1972
Gaskugel in Betzenhausen | 18.08.1978
Dreisam, Zubringer Mitte und Gaskugel | 10.10.1979

© 2020 Arbeitskreis Gaskugel, Dr. Heike Piehler | Wix.com Inc.

Gaskugel | 12.11.1972

Foto: Willy Pragher Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 095975d | http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-2125827