BETRIEBSKONZEPT

Im Dezember 2019 wurde die stillgelegte Freiburger Gaskugel als Kulturdenkmal anerkannt. Der Träger, die Badenova AG & Co. KG / bnNETZE GmbH, will sie nun zum Symbolpreis verkaufen. Im Januar 2020 hat sich die Stadt dafür ausgesprochen, die Kugel und den sie umgebenden Park für eine zukünftige Freizeitnutzung vorzusehen, und diese Absicht jüngst nochmals bekräftigt. Die Freiburger Stiftung BauKulturerbe gGmbH will die Gaskugel mit dem Bestandsgebäude und dem Park übernehmen und das Projekt realisieren, im gemeinnützigen Nonprofit-Betrieb, der allen Freiburger*innen zugutekommt – identitätsstiftend und integrativ, eng verzahnt mit der Bürgerschaft.


Das Nutzungskonzept (DIE KUGEL – Band 1) und das darauf aufbauende Betriebskonzept (DIE KUGEL – Band 2) zeigen die einmalige Chance für Freiburg auf, die Gaskugel zu einem Ausflugsziel und einem attraktiven Treffpunkt zu machen: Das Areal liegt im Naherholungsgebiet Dreisam/Dietenbachsee, befindet sich am Kreuzungspunkt von vier Stadtteilen und ist für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen bestens erschlossen. Hier soll ein Gartencafé entstehen und ein Ort für Kunst und Kultur, mit einem kleinen Museum und Dokumentationszentrum zum Thema Wasser – Klima – Energie, das den Blick auch in die Zukunft richtet, sowie Informationen und Führungen rund um die Kugel und ihre frühere Nutzung. Das Fraunhofer ISE hat schon Interesse bekundet: Die Gaskugelhülle würde sich als Demonstrationsfläche für ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu flexiblen, organischen Photovoltaikmodulen anbieten.


Das Herzstück des innovativen Projekts ist aber, den Bauch der Kugel mit seiner spektakulären Echoakustik für jeweils kleine Besuchergruppen zugänglich zu machen. Wir planen also gerade keinen Publikums-Hype, wie man ihn im Europapark erwarten würde. Das ginge schon aus akustischen Gründen nicht, denn jedes kleinste Geräusch bleibt zunächst „im Raum stehen“ und addiert sich mit den anderen Klängen. Dieses Phänomen macht ja gerade das besondere Hörvergnügen aus. Unsere Kalkulation für den Publikumsbetrieb während der regulären Besichtigungszeiten der Kugel basiert daher auf durchschnittlich 15 Besucher*innen pro Stunde. Dasselbe gilt für das künstlerische und pädagogische Rahmenprogramm, für das vor allem die Hochschule für Musik Freiburg und das hochschulübergreifende FZM Freiburger Forschungsund Lehrzentrum Musik als langfristige institutionelle Partner verantwortlich zeichnen werden. Es bietet sich aber auch ein großes Potenzial für viele temporäre Projektpartner*innen, die sich auf diesen besonderen Ort einlassen möchten, wobei die Publikumszahlen immer auf kleine Gruppen begrenzt bleiben.
Es wird also eine „sanfte“ Nutzung, was den Anwohner*innen zugutekommt. Das Konzept wurde mit breiter Bürgerbeteiligung, u. a. beim „Stadtteilkongress 2019“, entwickelt und findet große Akzeptanz, die Bürgervereine Betzenhausen und Mooswald berichten laufend hierüber und sämtliche Bürgervereine Freiburgs stehen dahinter. Auch die Zufahrtsproblematik haben wir in den Blick genommen: Schon jetzt gibt es eine rege Freizeitnutzung durch Ausflügler*innen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Von einigen unverzichtbaren Parkplätzen z. B. für den barrierefreien Zugang abgesehen, möchten wir den PKW-Verkehr weitgehend von dem Erholungs- und Freizeitgelände fernhalten und auf den nahegelegenen Park+Ride Parkplatz an der Paduaallee verweisen. Dieser wird üblicherweise von Berufspendler*innen genutzt und zu den üblichen Ausflugszeiten wenig beansprucht. Von hier aus ist man in sieben Gehminuten an der Kugel.


Wir verstehen uns als Bürgerprojekt, das schon jetzt viele Fans hat: Der Besichtigungs- und Veranstaltungsbetrieb der Kugel wird sich auf der Basis eines aktiven Ehrenamts selbst tragen, wenn wir in einem geringen Umfang auch auf die Unterstützung der Badenova zählen können. Schwieriger ist es, die Bauund Sanierungskosten sowie die Kosten für die Erstausstattung einzuschätzen, hierfür wäre die konkrete Begutachtung der Bausubstanz sowie der genauen Bedingungen und technischen Möglichkeiten vor Ort Voraussetzung. Wir stellen uns auf ein Volumen von 1,5 bis 2 Mio. Euro ein und planen für die Akquisition überregionaler Fördergelder etwa ein Jahr ein. Die Unterstützung durch die Badenova z. B. über ihren Innovationsfonds ist dabei nicht nur naheliegend – schließlich ist es ihr Bauwerk – sondern mit Blick auf die kommunalen Kassen auch unverzichtbar. Und jede Drittmittelförderung ist üblicherweise an Komplementärmittel geknüpft. In Augsburg zeigen sie gerade, was möglich ist: Dort investieren die Stadtwerke Augsburg insgesamt 150 Mio. Euro in ihr denkmalgeschütztes Altes Gaswerk mit seinem 70 ha großen Gelände: „Das weitgehend erhaltene, über 100 Jahre alte Bauensemble wird seit 2017 von den Stadtwerken Augsburg (swa) in Kooperation mit der Stadt Augsburg Schritt für Schritt zu einem einzigartigen Areal für Kultur- und Kreativwirtschaft sowie für die Theater-, Kunst- und Musikszene der Region entwickelt.“ (swa Holding GmbH, siehe www.gaswerkaugsburg.de: Vision). Der dortige 84 m hohe Gaskessel hat längst einen neuen Anstrich erhalten.


Zunächst hat die Badenova den Ball der Stadt zugespielt: Sie werde „einem künftigen Verwendungszweck, sofern er den Interessen der Stadt Freiburg entspricht oder von Seiten der Stadt befürwortet wird, nicht im Wege stehen“, wie sie im Oktober 2020 mitteilte. Bevor aber nicht alle Voraussetzungen geklärt sind und die entsprechenden Bestätigungen der Stadt und der Badenova vorliegen, können wir keine Drittmittel akquirieren und die weiteren Planungen konkretisieren. Unser gesamter Think Tank ist nun in Warteposition: Gemeinsam mit 15 Expert*innen unterschiedlicher Fachdisziplinen haben wir im „professionellen Ehrenamt“ das vorliegende Betriebskonzept erarbeitet. Sie alle stehen uns auch weiterhin mit ihrer Kenntnis, ihrer Tatkraft und ihren Netzwerken zur Seite.


Was aber zuallererst bedacht werden muss: Die Gaskugel und die bisherige, noch in Betrieb befindliche Gasübergabe- und Verteilerstation auf dem Grundstück betrachten wir als Ensemble und plädieren unbedingt für den Erhalt auch dieses Gebäudes. Die Badenova / bnNETZE will es nach eigener Aussage abreißen oder zumindest umbauen, weil die Gasdruckregelanlage grundlegend erneuert werden muss. Wir möchten seinen Bestand sichern und haben es in unsere Planungen mit aufgenommen. Es bietet einen authentischen Rahmen mit besonderem Charme für die Gastronomie, das Dokuzentrum, die WCs und die weiteren Räumlichkeiten und macht einen Neubau verzichtbar. Und sicherlich lässt sich das industrielle technische Innenleben teilweise erhalten. So befindet sich beispielsweise in dem kleineren Gebäudeteil, in dem wir ein Museum einrichten möchten, noch die große Schaltwand. Das bedeutet, dass die neue Gasdruckregelanlage auf demselben Grundstück an anderer Stelle erbaut werden müsste, sinnvollerweise außerhalb des Freizeit-Publikumsbetriebs, zur Fischermatte hin ausgerichtet.


Die Geschichte der Gaskugel und darüber hinaus der Freiburger Gasversorgung insgesamt ist inzwischen erfasst: Die Freiburger Gasgeschichte(n), 1850 bis heute liegen als Buch vor. Im Grunde könnten wir ab sofort Führungen durchführen. Vielleicht bekommen wir ja alsbald den Schlüssel.

(Kurz skizziert: Eine runde Sache. Vorwort zum Betriebskonzept, S. 2/3)


Freiburg im Juli 2021 | Dr. Diana Wiedemann, Klaus Grundmann, Dr. Heike Piehler

Erste Planungsideen: Die Kugel
Eine Einheit: Gaskugel und die bisherige Verteilerstation
Erste Planungsideen: mit Neubau
Erste Planungsideen: mit Bestandsgebäude
Betzenhausen mit dörflichem Charme
Einziger Zugang: Das "Mannloch" für Revisionsarbeiten