STATEMENTS

Appell an den Oberbürgermeister
2. Rundbrief an die Gemeinderäte, die Verwaltung und die Badenova / bnNETZE
Dr. Diana Wiedemann und Klaus Grundmann, Stiftung BauKulturerbe gGmbH,
Dr. Heike Piehler, Projektleiterin "AK Gaskugel" | Juli 2021

 

Die Freiburger Gaskugel als Kulturdenkmal – Betriebskonzept in freier Trägerschaft

Sehr geehrte Damen und Herren, seit zwei Jahren liegt die Freiburger Gaskugel in dem mit Stacheldraht gesicherten Areal brach, mitten im Naherholungsgebiet Dreisam / Dietenbachsee. Dem markanten Wahrzeichen des Freiburger Westens droht der Rost, nach der Stilllegung auch von innen. Davor schützt offenkundig auch der Denkmalschutz nicht, unter den die Kugel im Dezember 2019 gestellt wurde. Badenova / bnNETZE spielen den Ball der Stadt zu: Eine Entscheidung steht an.

Unser breit abgestimmtes Konzept für eine sanfte, denkmalverträgliche Nutzung liegt dem Energieversorger, der Stadt Freiburg und dem Gemeinderat seit November 2019 vor. Die Stiftung BauKulturerbe gGmbH will es umsetzen und hat in den zurückliegenden Monaten gemeinsam mit versierten Fachleuten ein konkretes Betriebskonzept ausgearbeitet.

Es gibt Handlungsbedarf, und wir bitten Sie herzlich, sich anhand unseres Infopaketes ein eigenes Bild von diesem ambitionierten Bürgerprojekt zu machen. An OB Martin Horn richtet sich unser dringender Appell, das Betriebskonzept zeitnah auf seine Machbarkeit, Finanzierbarkeit und kulturelle Bedeutung hin prüfen zu lassen und Stellung zu beziehen – bevor die bisherige Gasübernahmestation unwiederbringlich abgerissen wird und die Sanierungskosten für die Kugel aus dem Ruder laufen. Das Baudezernat spricht von einem Planungsvorlauf von 10 bis 15 Jahren – so viel Zeit haben wir nicht. Lassen Sie uns nach der Sommerpause ins Gespräch kommen und gemeinsam überlegen, wie es weitergeht! | www.stiftung-baukulturerbe.de

Die folgenden Grußworte und Appelle wurden verfasst, als die Freiburger Gaskugel noch nicht unter Denkmalschutz stand:

1. Rundbrief des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde e.V.
an die Gemeinderäte, die Verwaltung und die Badenova / bnNETZE
Beate Diezemann, 1. Vorsitzende | Dr. Heike Piehler, Projektleiterin "AK Gaskugel" | Dez. 2019​

 

Engagement für die Freiburger Gaskugel | Sehr geehrte Damen und Herren,
die Gaskugel, das Wahrzeichen des Freiburger Westens, ist nach wie vor vom Abriss bedroht. Es gilt, jetzt die Weichen zu stellen, damit Freiburg dieses markante Industriedenkmal und dieser wichtige Identifikationspunkt nicht verloren geht! Wie uns mitgeteilt wurde, prüfen die bnNetze der Badenova derzeit alle Optionen, vom Abriss bis zum Denkmalschutz. Derweil formiert sich rund um den „Arbeitskreis Gaskugel“ ein breites Bündnis fachkundiger Institutionen, die sich für den Erhalt und für eine sanfte Nutzung einsetzen. Die Liste ist schon jetzt beeindruckend, und sie wächst weiter. Mit dabei sind u. a. die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine, das Architekturforum, die Architekten- und die Ingenieurkammer, der Verein Deutscher Ingenieure, der Allgemeiner Deutscher Fahrradclub, die Musikhochschule, die mehrklang Gesellschaft, die NaturFreunde Freiburg und viele weitere. Das Konzept liegt vor: Wir wollen die Gaskugel samt ihrer parkähnlichen Freifläche mit dem alten Baumbestand erhalten und als Ausflugsziel für alle Bürger/innen zugänglich machen, mit einem Gartencafé, das sich zur Dreisam hin öffnet, speziell für Spaziergänger/innen und Radfahrer/innen. Zudem soll der Innenraum der Kugel mit seinem beeindruckenden Durchmesser von fast 34 Metern und seiner spektakulären Akustik für kleinere Besuchergruppen geöffnet werden, was zumindest im Frühling und im Herbst klimatisch möglich sein dürfte. Jetzt sind wir auf die konkrete Unterstützung in Politik und Verwaltung und natürlich auf Seiten des Betreibers und damit auch auf Sie ganz persönlich angewiesen – auf Ihre Pfiffigkeit und vorausschauende Planung. Wir bitten Sie herzlich um Ihre Unterstützung!
Mit freundlichen Grüßen, auch im Namen der ARGE Freiburger Stadtbild e.V. und des Kultur- und Geschichtskreises Betzenhausen-Bischofslinde e.V. | www.betzenhausen-bischofslinde.de/gaskugel

Grußwort | Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V.
Dr. Thomas Hammerich, 1. Vorsitzender | Nov. 2019

1963 entschied der Gemeinderat, im Landschaftsschutzgebiet in Betzenhausen einen Gasspeicher zu errichten, um die Energieversorgung der wachsenden Stadt zu gewährleisten. Anwohner fühlten sich damals überrumpelt. Heute, mehr als 50 Jahre später, ist die Gaskugel das Wahrzeichen des Freiburger Westens. Sie empfängt Heimkehrer ebenso wie sie als Merkmal für Gäste dient. Taucht sie von der Autobahn kommend am Horizont auf, ist klar: Man ist angekommen. Die Natur hat das Areal um „unsere“ Gaskugel zurückerobert, nicht nur Spechte oder Kleiber haben die mittlerweile mächtigen Bäume als Lebensraum für sich (wieder)gewonnen. Dieses markante Bauwerk, das den technischen Fortschritt als Teil der Geschichte der Energieversorgung und des Stadtteils dokumentiert, und die grüne Oase rundherum – diese reizvolle Verbindung hat Potential für ein neues Erkennungszeichen in unserer Stadt und bietet Raum für pädagogische und kulturelle Nutzung. | www.kuge-freiburg.de

Grußwort | Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V.
Dr. Hermann Hein, Vorsitzender | Dr. Diana Wiedemann, Vorstandsmitglied | Nov. 2019

Die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V. setzt sich ein für den Erhalt von wertvollen, stadtbildprägenden Gebäuden. Es freut mich außerordentlich, dass sich bei der Gaskugel so schnell eine Initiative gebildet hat, um sich für den Erhalt dieses hervorstechenden Industriegebäudes zu engagieren. Die Gaskugel bildet den Eingang, die optische Begrüßung Freiburgs, wenn man von Westen kommt. Es ist ein Identifikationsfaktor für Freiburger/innen. Erhalten werden kann ein solches Gebäude nur, wenn es einer neuen Nutzung zugeführt wird. Das vorliegende Konzept sieht eine „sanfte“ Nutzung vor unter Einbindung der Bewohner/innen Betzenhausens sowie der umliegenden Stadtteile. Dies unterstützen wir voll. Wünschenswert darüber hinaus wäre die Unter-Denkmalschutz-Stellung dieses Gebäudes. Denn auch wenn es „erst“ aus den 1960er Jahren stammt und damit die historische Komponente keinen großen Raum einnimmt, ist es doch ein Industriedenkmal an einer sehr prominenten Stelle, das es wert ist, geschützt zu werden. Wir wünschen dem Projekt viel Erfolg! | www.arge-stadtbild.de

Brief an die Badenova | AFB – Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine
Ingrid Winkler, 1. Vorsitzende | Nov. 2019

Ehemalige Gaskugel als Industriedenkmal erhalten | Sehr geehrter Herr Dr. Radensleben,
die Anregungen des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde, die stillgelegte Gaskugel künftig einer öffentlichen Nutzung zuzuführen, werden von der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine (AFB) sehr unterstützt. Dieses unübersehbare Industriedenkmal aus den sechziger Jahren ist ein landschaftsprägendes Objekt an der zentralen Westeinfahrt von der Bundesautobahn nach Freiburg und ein unübersehbarer Blickfang vor der Schwarzwaldkulisse. Dieses „Wahrzeichen“ sollte dringend als Entwicklungsimpuls für eine neue Gestaltung und Nutzung des Areals genutzt werden, u. a. als Ausflugsziel für Familien und Spaziergänger sowie als ein Höhepunkt im Rad- und Wegenetz für Radler. Auch ein Café würde das Areal aufwerten.
Ebenso ist es denkbar, hier ein identitätsstiftendes Kunstforum zu schaffen. Aufgrund der akustischen Besonderheit wäre dieser alte Gasometer eine einmalige Gelegenheit für Klangkünstler, hier experimentell zu arbeiten. Auch für Licht- und Toninszenierungen könnte dieses einzigartige Bauwerk neue Akzente setzen und zu neuen In- und Outdoor-Veranstaltungsformen anregen. Der naturbezogene Raum entlang des Dorfbaches im Gewann „Untergrün“ muss unbedingt erhalten bleiben und würde durch eine Umgestaltung eine hohe Attraktivität erfahren. Es gibt im Freiburger Westen nur wenige vergleichbare Treffpunkte, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad stadtnah erreichbar sind – davon würden nicht nur die bestehenden Wohnquartiere im Freiburger Westen profitieren, sondern später auch der neue Stadtteil Dietenbach, da die Gaskugel ein charakteristischer Fixpunkt in der Dreisamuferlandschaft an der westlichen Stadteinfahrt bzw.- ausfahrt darstellt.
Mit freundlichen Grüßen, Ingrid Winkler | www.afb-freiburg.de