Das Konzept steht

Wie eine "zivile" Nutzung der stillgelegten Freiburger Gaskugel aussehen kann, wird in dem jüngst erschienenen Betriebskonzept DIE KUGEL dargestellt, das nun auch online verfügbar ist. Auf der Grundlage des Nutzungskonzepts von 2019 veranschaulicht es konkret, wie der Betrieb des Industriedenkmals in freier Trägerschaft geplant ist. Herausgegeben wurde das Konzept, an dem ein Stab aus 18 Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen mitgewirkt hat, von der gemeinnützigen Freiburger Stiftung BauKulturerbe gGmbH.


Es könnte alles passen


Natürlich sind wir auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem jetzigen Eigentümer Badenova / bnNETZE angewiesen, ebenso auf die Unterstützung in Politik und Verwaltung. Aber die substanzielle Basis ist geschaffen: Die Kugel ist als Kulturdenkmal anerkannt, und das aus der Bürgerschaft heraus entwickelte, sanfte Nutzungskonzept findet großen Anklang. Mit der Stiftung BauKulturerbe gGmbH hat sich ein neuer Betreiber gefunden, unterstützt durch ein starkes Netzwerk. Und das Baudezernat sieht die Planungen im Zusammenhang mit der Entwicklung der bestehenden und der neu zu errichtenden benachbarten Stadtteile in Freiburg-West.


Die Zielsetzung der Stiftung BauKulturerbe, ein attraktives Ausflugsziel zu schaffen und die Kugel selbst zugänglich zu machen, liegt in vielerlei Hinsicht im öffentlichen Interesse – vom urbanen Treffpunkt über die Würdigung und nachhaltige Vitalisierung des Kulturdenkmals bis hin zur integrativen Mitwirkung der Bürger/innen vor Ort. Um das im Nonprofit-Betrieb leisten zu können, müssen die vor der Inbetriebnahme anfallenden Planungs-, Herstellungs- und Ausstattungsaufwendungen gemeinsam geschultert und hierfür überregionale Fördergelder eingeworben werden. Das Planungsteam geht von einem Investitionsvolumen von 1,5 bis 2 Mio. Euro aus.


Denk 'mal: Wasser – Klima – Energie


Für das im Nachbargebäude vorgesehene Dokuzentrum Wasser – Klima – Energie hoffen wir auf einen Investitionszuschuss und einen jährlichen Sockelbetrag der Badenova. Dass sie in der Verantwortung ist, ihr historisches Bauwerk in einer Übergangsphase fit für die Zukunft zu machen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Auch die inhaltliche Ausgestaltung des geplanten Dokuzentrums muss sinnvollerweise in enger Zusammenarbeit mit dem Energieversorger erfolgen und zukünftig kontinuierlich auf einem verlässlichen aktuellen Stand gehalten werden. Weitere, jeweils projektbezogene Partnerschaften wurden mit dem Labor für Medienökologie der Hochschule Offenburg und dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE vereinbart. Die Bürger/innen interessieren sich für die technischen Entwicklungen, und hier ist ein faszinierender Ort für die öffentliche Vermittlung – mit hohem Erlebniswert!


Zugang zur Kugel


Herzstück der innovativen Planungen ist der Bauch der Kugel. Er bietet für jeweils kleine Besuchergruppen ein unvergleichliches, pures Raumerlebnis in dem gigantischen Kugelgewölbe. Die Begehung des Ingenieurbauwerks ist eine Erfahrung, die jeden ins Staunen versetzt und mit elementaren Sinneseindrücken konfrontiert. Vorgesehen sind ein außenstehender Treppenturm mit Fahrstuhl, der die Besucher/innen auf eine Plattform im Inneren der Kugel bringt, und ein zusätzlicher Ausgang. Die erforderlichen Stahlbaukonstruktionen, um die Kugel erwandern und in den Mittelpunkt gelangen zu können, sind anspruchsvoll.


Versierte Programmarbeit


Die Nutzung des Baukörpers als Echoraum und für Inszenierungen, die möglichst wenig in die Bausubstanz eingreifen, dient dem Ziel, das Ingenieurbauwerk an sich erlebbar zu machen. Dieser Prämisse folgen auch die künstlerischen Konzeptionen für das Programm, das speziell für diesen Ort entwickelt werden muss und dann auch nur hier funktionieren kann. Mit der Hochschule für Musik Freiburg und dem Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik haben wir Partner gefunden, die uns schon in der Konzeptionsphase zur Seite stehen und die an einer langjährigen, institutionellen Kooperation interessiert sind. Sie fangen dort an nachzudenken, wo wir in unserem Betreiberteam schnell an unsere Grenzen kommen: bei der konkreten Programmarbeit, künstlerisch, pädagogisch und vor allem interdisziplinär. Sie wollen die Kugel bespielen, im besten Fall mit den Besucher/innen zusammen, mit Erlebnisführungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.


Ein Bürgerprojekt


Ziel des Konzepts ist, dass sich der Betrieb mit Besichtigungsmöglichkeiten und einer Vielzahl kleinerer Veranstaltungsformate selbst trägt. Da einerseits in jedem Kulturbetrieb die Personalkosten den größten Anteil darstellen und sich das Projekt andererseits als Bürgerprojekt versteht, stützt sich der Betrieb auf das ehrenamtliche Management durch die Stiftung, den Arbeitskreis Gaskugel mit den angeschlossenen Vereinen sowie interessierte Bürger/innen vor Ort.


Ausflugsziel für alle


Für den Gastronomiebetrieb des allgemein gewünschten "Gartencafés" wird noch ein/e Pächter/in gesucht, mit der oder mit dem gemeinsam überlegt werden kann, welche Öffnungszeiten und welches Angebot machbar sind. Das Café soll sich zur Dreisam hin öffnen und auf der Grünfläche ausdehnen, wobei der Parkcharakter mit dem Schatten spendenden alten Baumbestand erhalten bleiben soll. Den PKW-Verkehr würden wir am liebsten komplett verbannen: Es ist nicht unüblich, dass Parkplätze am Rand von Naherholungsgebieten liegen und von den Besucher/innen ein kurzer Fußweg in Kauf genommen werden muss. Abgesehen von den unausweichlichen, z. T. barrierefreien Parkplätzen soll von vornherein auf den nahe gelegenen P+R-Parkplatz an der Paduaallee verwiesen werden, der an Wochenenden und Feiertagen über freie Kapazitäten für die Ausflugsgäste verfügt.


DIE KUGEL – Band 2

Die Freiburger Gaskugel in freier Trägerschaft. Ein Betriebskonzept.

Hrsg. Stiftung BauKulturerbe gGmbH. Projektleitung / Autorin: Dr. Heike Piehler

Mit Unterstützung des Arbeitskreises Gaskugel – Eine Initiative von:

Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V., Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V., Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V. und Stiftung BauKulturerbe gGmbH.

40 Seiten, online unter www.gaskugel-freiburg.de/betriebskonzept Freiburg i. Br., Juli 2021


Bild: Betzenhausen hat seinen dörflichen Charme bewahrt. Auf dem Areal im Hintergrund rechts wird der neue Stadtteil Dietenbach gebaut werden. © Foto: Beate Diezemann